![]() |
|
| Lynchmord an einem kanadischen Flieger im März 1945 in Frankenberg |
| Kurzinfo das Opfer - der Autor - das Buch Zum Hintergund: Flugzeug - Besatzung - Geschwader Angriff auf Chemnitz Lynchmorde an Fliegern |
| Kurzinfo |
| Peter Hessel,
ein bekannter
kanadischer Journalist und Schriftsteller, entschloss sich, in seinem
Ruhestand
ein Buch über seine Kindheit in Deutschland zu schreiben. 1931 in
Chemnitz
geboren, hatte er die Bombardierung am 5. März 1945 in Frankenberg
erlebt. Bei
Nachforschungen stieß er darauf, dass damals in Frankenberg ein
kanadischer
Kriegsgefangener auf offener Straße gelyncht worden war. Sein Versuch, die Identität dieses Soldaten und seiner Mörder zu klären, wuchs sich zu einer schwierigen Detektivarbeit aus, die nun der Leser in einem spannend geschriebenen Buch nachvollziehen kann. Zahlreiche Dokumente, vor allem das Tagebuch des Ermordeten und die Interwiews mit Crewmitgliedern, mit Verwandten und mit Zeitzeugen aus Frankenberg, geben einen bewegenden Einblick in das unsinnige Töten in der Spätphase des Zweiten Weltkriegs. Mit diesem Buch bringt Hessel nicht nur Licht in dieses Verbrechen, sondern stellt es auch in größere Zusammenhänge. Er arbeitet den hohen Anteil der Kanadischen Luftwaffe bei den Bombardierungen deutscher Städte heraus, der in Kanada wie in Deutschland vergessen ist. Etwa ein Viertel der Flugzeuge, die Chemnitz angegriffen haben, wurde von Kanadiern geflogen. Auch der Lynchmord an einem notgelandeten feindlichen Flieger ist kein Einzelfall – über 300 allierte Soldaten wurden in Deutschland in den letzten Kriegsjahren Opfer dieses Kriegsverbrechens. |
| Das
Opfer Jean-Maurice D’Avril - 4 Gedenkinschriften |
|||||||||||||
Beim Transport in Frankenberg von der Kaserne zum Bahnhof wird der gefesselte Kriegsgefangene auf einer Hauptstraße (Hindenburgstraße) von vier ihm auflauernden stadtbekannten NS-Aktivisten mit Knüppeln zu Tode geprügelt. Die Eskorte der Wehrmacht greift nicht ein und fordert die Passanten zum Weitergehen auf. Nach dem Krieg (1. Juni 1945) wird D'Avril auf den Frankenberger Stadtfriedhof umgebettet, und zwar anonym - obwohl er seine ID-Plakette bei sich trug! 1948 wird das Opfer im Rahmen der Kriegsgräber-Zusammenführung identifiziert und am 8. Dezember auf den alliierten Militärfriedhof an der Heerstraße in Berlin-Charlottenburg überführt. Am. 6. März 2005 wird am Ort der Ermordung eine dreisprachige bronzene Gedenktafel anbracht. Quelle: Peter Hessel: Das Rätsel um den kanadischen Flieger, Sax-Verlag Beucha 2007 |
|||||||||||||
Gedenkinschrift I
1. Grab auf dem Friedhof des Militärhospitals in Frankenberg März – Mai 1945 Es ist unbekannt, wie das Grab gekennzeichnet wurde Gedenkinschrift II
Holzkreuz auf dem 2. Grab im Stadtfriedhof Frankenberg Juni 1945 – Dezember 1948
Gedenkinschrift III Gedenkstein auf dem 3. Grab in Berlin-Charlottenburg seit 1948/49
Gedenkinschrift IV
Bronze-Gedenktafel (Deutsch / Englisch / Französisch) in Frankenberg am Sterbeort: Äußere Freiberger Strasse / Ecke Amalienstraße 2005 auf Initiative der Frankenberger Heimatvereins angebracht mit Unterstützung durch Spenden aus Kanada und Frankenberg
Quelle: Peter Hessel: Das Rätsel um den kanadischen Flieger, Sax-Verlag Beucha 2007 |
| Der Autor Biografie - das Buch - Gedenken und Verständigung |
||||||||||||||||
Der
Autor Peter Hessel:
|
||||||||||||||||
| Deutsche Ausgabe: Das Rätsel um den kanadischen Flieger. Terror in Mitteldeutschland Sax-Verlag Beucha, März 2007, 248 Seiten und 55 Fotografien, 19,80 € ISBN 978-3-86729-006-7 Englische Ausgabe: The mystery of Frankenberg’s Canadian Airman. An eye-witness to terror bombing and the quest for truth, justice and reconciliation in (Das Geheimnis des kanadischen Fliegers in Frankenberg. Ein Augenzeuge der Terror-Bombardierung und die Suche nach Wahrheit, Gerechtigkeit und Versöhnung in Kanada und in Deutschland) James Lorimer & Company Ltd., Publishers, 248 p., 52 ill., $ 34.95 ISBN: 978-1-55028-884-1 |
||||||||||||||||
Heute: Gedenken und Verständigung
|
||||||||||||||||
| Fakten
zum Hintergrund Flugzeug - Besatzung - Geschwader - Angriff auf Chemnitz |
|
Typ: Halifax III (ein viermotoriger Langstreckenbomber: 22 m lang, 32 m Spannweite) Nummer: PN-173, Code: KW-Q, Sitzname: „Q Queen“; am 7. Februar 1945 in Dienst gestellt. Das Wrack wurde nach und nach ausgeschlachtet. Nur wenige kleine Teile sind noch in Drebach vorhanden; der Dieselmotor des (unerlaubterweise) mitgeführten Mopeds ist als Rarität in das Motorradmuseum auf Schloß Augustusburg gelangt. |
|
Von der sieben-köpfigen Besatzung konnten sich fünf per Fallschirm retten. D’Avril scheint sich nordwärts abgesetzt zu haben; fest steht nur, dass er im ca 25 km entfernten Frankenberg inhaftiert war. Die anderen vier überlebten; sie gerieten einzeln bei Drebach in Gefangenschaft und wurden über Marienberg und ein Durchgangslager bei Frankfurt in das große Kriegsgefangenenlager in Moosburg bei München gebracht. 1945 kehrten sie nach Kanada zurück. |
|
Die "Q-Queen" war einer der 26 Bomber des Geschwaders 425 „Alouette“ (Code: KW). Sie war auf dem Flugplatz von Tholthorpe (Yorkshire) stationiert. Die "Alouette" war die einzige franko-kanadische Einheit der in Nordengland stationierten und aus 15 Geschwadern bestehenden „Six Group“ der „Royal Canadian Air Force“. Diese "No 6 Group " war die größte der sieben Operationsgruppen des britischen "Bomber Command" unter dem Kommando von Vizeluftmarschall Harris. |
|
Der
Angriff auf
Chemnitz am 5. März 1945
(Operation „Bluefin“ / Operation „(Blauflossen-)Thunfisch“) Beim Angriff auf Chemnitz wurden 760 Bomber eingesetzt, davon 195 kanadische Bomber (ca 25%). 40 Flugzeuge wurden abgeschossen oder sind abgestürzt. Von den 19 kanadischen Totalverlusten ereigneten sich
Die 40 abgestürzten Flugzeuge hatten 219 Besatzungsmitglieder an Bord:
Weitere Fakten und Hintergründe zum Luftangriff auf Chemnitz finden Sie hier. |
| Quelle: Peter Hessel: Das Rätsel um den kanadischen Flieger, Sax-Verlag Beucha 2007 |
| Fakten
zum Hintergrund Lynchmorde an alliierten Fliegern |
||||||||||||||||||
Diese Lynchmorde waren nur zu einem geringen Teil spontane Vergeltungsmaßnahmen der betroffenen Zivilbevölkerung an den "Terrorfliegern“ (wie es damals dargestellt wurde). Peter Hessel fand bei keinem einzigen der 25 ermordeten kanadischen Flieger einen Beleg für eine solche Affekthandlung – dafür aber mehrere Beispiele für einen sehr menschlichen Umgang der Zivilisten mit den notgelandeten Soldaten. Das Schicksal von D'Avril ist also nicht untypisch. Aber es war dennoch eine Ausnahme: Alle 47 anderen beim Angriff am 5. März 1945 notgelandeten alliierten Besatzungsmitglieder überlebten als Gefangene den 2. Weltkrieg. Quelle: Peter Hessel: Das Rätsel um den kanadischen Flieger, Sax-Verlag Beucha 2007 und www.flieger-lynchmorde.de |
|
|
|
|
|
|